Aktuelles aus dem Kirchenbezirk

22.04.2022

Amtsantritt

Paul Metzger neuer Dekan


Ab 1. Mai 2022 Dekan des Protestantischen Kirchenbezirks Ludwigshafen: Pfarrer Paul Metzger. Foto: privat/frei

Pfarrer Paul Metzger übernimmt das Dekansamt in einer schwierigen Zeit für die Kirche. Im Interview spricht er über Herausforderungen, mögliche Lösungen und in welcher Rolle er die evangelische Kirche in Ludwigshafen sieht.

Herr Metzger, Sie sind bislang Gemeindepfarrer in der Pfingstweide. Fällt es Ihnen schwer, hier jetzt nicht mehr als Gemeindepfarrer tätig zu sein?
Ich werde auch weiterhin in der Pfingstweide wirken, denn sie gehört zum Kirchenbezirk. Zudem sieht die Dekan-Stelle vor, dass man zu 30 Prozent in einer Gemeinde tätig ist. Das bleibt nach meinem Amtsantritt die Pfingstweide. Ich fühle mich in der Pfingstweide sehr wohl.

Wie stellen Sie sich die Kirche künftig vor?
Mein Ziel ist eine Kirche für Ludwigshafen, die keine Angst um sich selbst hat. Sie soll fröhlich sein und Gemeinschaft stiften. Die Kirche soll sich für ein gutes Zusammenleben einsetzen und mutig ihre Stimme in der Stadt erheben.
Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: "Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist." Das finde ich sehr treffend. Die Kirche unterstützt Menschen in Ludwigshafen, unter anderem im Haus der Diakonie, in der Suppenküche, im Café Asyl und in der Kindervesperkirche. Dabei ist es egal, welche Religion oder Konfession die Menschen haben. Es ist auch egal, ob sie an einen Gott glauben oder nicht. Kirche macht Angebote für alle. Dazu gehört auch die Arbeit am Lutherturm mit Kunst, Kultur und Bildung.
Die Kirche soll helfen und dienen, aber nicht herrschen. Sie soll durch ihr Handeln ein Vorbild sein.

Kann die Kirche überhaupt dies alles leisten, obwohl sie immer mehr Mitglieder verliert?
Wir müssen ehrlich sein: Die Kirche wird über weniger Personal und weniger Finanzen verfügen. Jetzt ist leider die Zeit des Rückbaus. Das muss man so hart sagen. Und die Zukunftsaussichten sind auch nicht gerade rosig. Der Kirche steht der Umbruch nicht bevor, sie ist bereits mitten drin. Das ist eine Situation, in der wir Mut und Zuversicht brauchen.

Können Sie das an einem Beispiel deutlich machen?
Ein konkretes Beispiel kann ich aus Ludwigshafen-Nord nennen. Hier gab es vor wenigen Jahren noch sechs Geistliche – jetzt sind wir nur noch zu dritt. Es wird immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrer geben. Gleichzeitig soll die Kirche religiöse Grundbedürfnisse erfüllen, darunter Seelsorge und Gottesdienste. Dazu müssen wir nahe bei den Menschen sein. Das können wir aber nur leisten, wenn wir von anderen Aufgaben entlastet werden. Eine Lösung besteht in der Zusammenarbeit von Gemeinden. Vor allem Verwaltungsaufgaben können dabei zentral erledigt werden. Hier sind wir in Ludwigshafen schon sehr weit, aber dieser Prozess geht weiter.
Ein anderes Beispiel ist unser Kita-Träger. Er bündelt unter anderem Personal-Management in den Kitas. Diese Aufgabe hat zuvor jede einzelne Gemeinde wahrgenommen. Zudem können wir uns auf andere Berufsgruppen in der Kirche und auf viele Ehrenamtliche verlassen. Meine "Laien-Uni" ist zum Beispiel ein Baustein genau dieser Lösung.

Wie meinen Sie das konkret?
"
Laien", also Menschen, die nicht Theologie studiert haben, sollen den Mut finden, über ihren Glauben öffentlich zu sprechen. So können sie in der Kirche Aufgaben übernehmen, die bisher eher Pfarrerinnen und Pfarrer erfüllen.

Eine weitere große Aufgabe ist das Gebäude-Management. Die Landeskirche hat beschlossen, dass der Kirchenbezirk Ludwigshafen 30 Prozent seiner Gebäude bis 2030 abstoßen soll. Wie wollen Sie hier vorgehen?
Das wird eine große Baustelle für uns alle im Kirchenbezirk. Wir müssen gemeinsam überlegen und entscheiden. Und auch hier geht das nur mit den Menschen und den Gemeinden in den einzelnen Regionen.
Zentrale Aufgabe der Kirche ist die Verkündigung des Evangeliums. Wir müssen entscheiden, wie wir Kirche leben wollen. Das ist die erste Frage. Die nächste Frage muss lauten: Welche Gebäude brauchen wir dazu? Und wie gelingt uns das am besten mit den Mitteln, die wir zur Verfügung haben? Ich bin dafür, zuerst in Menschen zu investieren und dann in Steine.

Zur Person

Dr. Paul Metzger wurde 1973 in Meisenheim am Glan geboren und wuchs in Kaiserslautern auf. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Bethel/Bielefeld, Marburg, Rom und Heidelberg promovierte er 2004 im Fach "Neues Testament" an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2017 ist er Pfarrer in Ludwigshafen-Pfingstweide. Er lehrt Neues Testament und Konfessionskunde an der Universität Koblenz-Landau, gründete die "Laien-Uni Theologie Pfalz" und amtiert seit 2021 als Vorsitzender im Evangelischen Bund Pfalz. Metzger ist Autor zahlreicher Publikationen und spricht Radio-Andachten im Südwestdeutschen Rundfunk (SWR). Er ist verheiratet mit Ute Metzger, Pfarrerin in Bockenheim (Kreis Bad Dürkheim). Das Paar hat zwei Kinder. red

 

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