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„Die Kirche muss immer bereit sein zum Wandel“

Künftige Kirchenpräsidentin predigt beim Gottesdienst zum Reformationstag

Was bedeutet Glaube in der Corona-Krise? Wie geht Kirche mit diesem Ausnahmezustand um? Wie werden sich die Erfahrungen, die wir jetzt machen, auswirken? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes am Reformationstag, den Dekanin Barbara Kohlstruck und Dorothee Wüst, Oberkirchenrätin und künftige Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, gestalteten. Es musizierten Bezirkskantor Tobias Martin und die Sopranistin Stefanie Freiburg.

Dekanin Barbara Kohlstruck begrüßte die Anwesenden und alle, die den Gottesdienst im Internet und im Fernsehen verfolgten. Wegen der Hygieneregeln war die Zahl der Besucher in der Apostelkirche stark begrenzt.

Dekanin und Oberkirchenrätin zeigten großes Verständnis für die Ängste und Frustration der Menschen. Mit Blick auf die Kirche bedauerte Barbara Kohlstruck: "Vieles, was uns als Kirche wichtig ist, ist eingeschränkt oder kann gar nicht stattfinden: gelebte Gemeinschaft, menschliche Nähe, gemeinsames Singen."

Oberkirchenrätin und neue Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst übernahm die Predigt.

 

Die künftige Kirchenpräsidentin machte mit ihrer Predigt Mut. Es gelte, sich den Fragen der Zeit zu stellen und mit den Mitteln der Zeit die frohe Botschaft zu verkünden. Denn die Botschaft Gottes, der Menschen liebt und Leben will, ist "das Beste, das wir haben und halten", betonte sie. Gott habe schon immer mit den Menschen Krisen durchgestanden.

Dorothee Wüst schlug den Bogen zur Reformation: Martin Luther habe seine Kraft aus dem Glauben gezogen. Dank dieser Energie habe der Reformator vieles ausgehalten und in Bewegung gebracht. Auf diese Bewegung setzt die Kirche auch jetzt. Gott sehe keinen Stillstand vor, sagte Dorothee Wüst und erinnerte an Luthers Worte: "Die Kirche muss immer bereit sein zum Wandel."

Gottes Beistand werde laut Wüst momentan auf andere Weisen spürbar: durch das Beten füreinander, durch Fensterkerzen und Balkongesänge, in Online-Gottesdiensten und Telefonandachten. Die Kirche habe sich in den letzten Monaten an vielen Stellen neu erfinden und umlernen müssen. Die neue Kirchenpräsidentin zollte allen Haupt- und Ehrenamtlichen Respekt, die in dieser Zeit Kirche in Bewegung gehalten haben.

Auf die guten Erfahrungen solle künftig gebaut werden, sagte sie und zitierte Paulus: "Prüft aber alles und das Gute behaltet." Dennoch werde eine Normalität nach Corona eine andere sein, meinte Dorothee Wüst. Die Krise verändere das Lebensgefühl von Menschen und Kirche.

Barbara Kohlstruck und Dorothee Wüst reagierten zudem auf Vorwürfe, die Kirche habe sich zu schnell staatlichen Regeln unterworfen und auf das Recht auf Religionsausübung verzichtet. Die Oberkirchenrätin bekräftigte, dass sich die Kirche entschieden habe, das Leben und die Gesundheit an erste Stelle zu setzen. "Deswegen verzichten wir freiwillig auf Rechte, die uns eigentlich zustehen." Sie begründete diese Haltung mit der Verantwortung, die Kirche gegenüber den Menschen einnehme.

 

   Video-Mitschnitt des Gottesdienstes auf dem Youtube-Kanal der Christuskirche Mundenheim

 

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