Pause gefällig?

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Das war 2017

Alles Luther – oder was?

2017 ist Geschichte – und damit das große Jubiläumsjahr“500 Jahre Reformation“. Fast zehn Jahre hatten die reformatorischen Kirchen Anlauf genommen, dieses Jahr zu begehen, mit Themenjahren, einer neuen Lutherbibel-Übersetzung, mit Wettbewerben für neue Kirchenlieder und einer noch nie da gewesenen medialen Präsenz. Verkaufsschlager wie der kleine Playmobil-Luther brachte das Jubiläum ebenso hervor wie auch Flops, beispielsweise die mit hohem Aufwand und enormen Mitteln auf die Beine gestellte „Weltausstellung der Reformation“ in Wittenberg. Dort wollten die Leute lieber die Original-Stätten sehen, Besucher*innen-Andrang gab es in der Schlosskirche und an anderen Luther-Gedenkstätten. Schön zu sehen: Auch die katholische Kirche war mit ihren Vertretern an vielen Stellen dabei, selbst im großen Jubiläumsgottesdienst am 31.Oktober in Wittenberg war der oberste Vertreter des deutschen Katholizismus, Reinhard Kardinal Marx, aktiv beteiligt.

Und in Ludwigshafen? 3 Jahresprogramme hatte es gegeben, gemeinsam mit Mannheim. Weit über 100 Veranstaltungstermine gab es, manche wurden gut, andere weniger gut besucht. Herausragend war sicher das große Pop-Oratorium „Luther“ am 11.Februar in der SAP-Arena, wo den 2.300 Sänger*innen über 10.000 Hörer*innen lauschten. Auch wenn aus mancher, vor allem theologischen Ecke kritische Stimmen zu den Texten und Inhalten laut wurden, hatte dieses gigantische Projekt doch wohl die größte Breitenwirkung erzielt. Auch die Kernbotschaft der Reformation wurde laut und deutlich gesungen und so bis in völlig entkirchlichte Wohnzimmer getragen. Das gelang mit anderen Veranstaltungen sicher nur selten. Dennoch konnten manche Zeichen gesetzt werden, sei es mit den großformatigen Plakaten am Lutherturm oder bei der Benennung des Lutherplatzes. Aber ein Großteil derer, die sich von den Programmpunkten ansprechen ließ, gehörte doch zu denjenigen, die ihrer Kirche bereits nahe stehen.

Also doch „alles Luther“? Sicher dominierte die Figur die meisten Großveranstaltungen, dennoch war es sicher kein „Lutherjahr“. Ob nun mit der Reihe über „Frauen der Reformation“, die kritischen Blicke auf Trennendes und Gemeinsames zwischen reformatorischen und katholischer Kirche, mehr noch als in manchen anderen Landeskirchen wurde immer wieder darauf verwiesen, dass die Reformation wohl wesentlich durch Luther ausgelöst, jedoch längst nicht allein durch ihn durchgesetzt und ausgestaltet wurde. Vor allem aber der Blick nach vorn, auf den aktuellen Reformationsbedarf, und Ansätze eines neuen Kirche-Denkens kamen bei vielen Veranstaltungen zu ihrem Recht. Zwar hatten unsere Thesentüren, sei es die digitale wie die analogen, den Dialog darüber nicht in erhofftem Maß geprägt, auch ihr Beitrag wird aber in die Diskussion darüber einfließen: Eine kleinere, aber darum vielleicht sogar effektivere, näher bei den Gläubigen stehende Kirche mit einer zugleich klaren Glaubensgrundlage, die, ohne in Dogmatik zu erstarren, wieder stärker die Sorgen der Einzelnen in den Blick nimmt und in diakonischer und seelsorgerlicher Arbeit ihre Schwerpunkte findet, mehr als in dem Versuch, durch Großveranstaltungen Aufmerksamkeit zu finden. Dekanin Kohlstruck skizzierte diese Kirche in ihrer Predigt zum Reformationstag und brachte zum Ausdruck, dass dies nun die Aufgabe sei, die aus dem Jubiläum erwachsen sei: Nicht darüber zu klagen, dass die Kirche(n) kleiner werden, sondern die Chancen zu sehen und „mutig voran“ zu schreiten. Das ist übrigens auch das Motto dieses Jubiläumsjahres 2018, in dem wir in der Pfalz den Zusammenschluss von reformierten und lutherischen Gemeinden in der Union von 1818 feiern. Also: Nicht bloß Luther, sondern auch Calvin, Zwingli, Butzer &Co. (gg)

 

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